Isabella Gerstner: Willkommen zurück!

Isabella Gerstner, 1980 geboren in Ellwangen, ist bildende Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Karlsruhe. Nach einem Studium der Pädagogik und Kulturwissenschaften an der Universität Karlsruhe studierte Isabella Gerstner an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und in Stuttgart Bildhauerei und Intermediales Gestalten. Seit 2011 ist sie an Künstlerinnenkollaborationen mit Lothar von Reißig oder warum die Türen immer offen sind und dem Institut für großstädtische Indifferenzen beteiligt. Seit 2013 hat sie einen Lehrauftrag an der Freien Dualen Fachschule für Pädagogik in Stuttgart und Karlsruhe.

Seit 2014 lebt sie in Berlin und absolvierte dort ein postgraduales Masterprogramm an der Universität der Künste am Institut für Kunst im Kontext. Sie war Stipendiatin des Cusanuswerks, erhielt Auslandsförderungen für Arbeitsaufenthalte in Rotterdam, sowie an der Cité Internationale des Arts Paris. 2016 bekam sie ein Arbeitsstipendium von der Kunststiftung Baden-Württemberg zugesprochen.

In ihrer künstlerischen Praxis setzt sie sich mit Orten und Räumen auseinander, deren materielle und immaterielle Zustände zu ihrem zu untersuchenden Gegenstand werden und die sie in einer Bewegung zwischen ästhetischem Denken, Schreiben und Handeln erforscht. Sie schafft Objekte, ortsspezifische Installationen und entwirft Aktionsräume, die als abstrakte Reibungsflächen die Wahrnehmung und Befindlichkeit ihrer Umgebung befragen.

In ihren Objekten arbeitet sie bewusst mit der Diskrepanz zwischen der Materialität und dem Erscheinungsbild, der Gegenüberstellung der visuellen und haptischen Erfahrung einer Gegenständlichkeit. Als gestaltende und gestaltbare Elemente zeigen sich diese Formen, die das Verständnis dessen, was etwas ist und wie es erscheint in Frage stellen. Die installativen Arbeiten entwickelt sie aus der Funktionalität eines jeweiligen Raumes heraus, greift seine historischen Bedeutungszusammenhänge und architektonischen Nutzungsbedingungen auf, um mögliche gesellschaftliche Spielräume aufzuzeigen und zu vergrößern. Sie initiiert Prozesse und schafft Aktionsräume, die sich durch Kollaboration, Kommunikation und ästhetischem Erfahrungstausch mit Anderen gestalten.

2015 realisierte sie in Bernau bei Berlin das umfangreichste Projekt dieser Art: Freie Parzelle. Eine Künstler/-innen-Residenz als ortsspezifische Arbeit konzipiert, um einen historisch belasteten Ort nach seinen ästhetischen Potenzialen zu befragen und in diese Befragung Künstler/-innen und Bewohner/-innen mit ihren je eigensinnigen Sichtweisen zu involvieren.

In ihrer letzten Einzelausstellung Die Ringelnatter kam zu spät (Kunststiftung Baden-Württemberg, 2016) realisierte sie fitz. fitz ist ein Objekt, eine Projektionsfläche, ein Schauplatz, eine Erhöhung. Vor allem aber eine Geste, bestehend aus 26 einzelnen Karton-Elementen, die an Felsblöcke erinnern und modulartig unterschiedliche Formationen annehmen.

Als laufendes Projekt breitet sich fitz in seiner aktuellen Konstellation in 26 Wohnzimmern in Berlin aus, schleicht sich in das Leben deren Bewohner/-innen und findet in ihrem Alltag statt. Grundlegend für diese künstlerische Arbeit ist der Austausch von Material, Energie und existenzieller Ein-Bezogenheit, die Verschiebung einer Ökonomie von einem Aushalten hin zu einem Im-Haushalten.

Während ihrer Zeit in der Kulturakademie Tarabya arbeitete sie in einer Fabrik nahe Istanbul an ihrem neusten künstlerischen Forschungsprojekt über Schleifkörper: Der Ort. Das Material. Die nichtintegrierbaren Reste.

Isabella Gerstner war von Januar bis Ende Mai 2017 in der Kulturakademie Tarabya und ist von Januar bis April 2018 erneut Stipendiatin der Kulturakademie.