Diskussion mit Peter Schneider & Oya Baydar: „50 Jahre 68 Bewegung“

Sparte

Lesung & Diskussion

Datum

17.11.2018, 13:15
– 17.11.2018, 14:15

Ort

Im Rahmen der 37. Inernationalen Istanbul Buchmesse TUYAP

Tüyap Fuar ve Kongre Merkezi Karadeniz Salonu
Adresse: Cumhuriyet Mahallesi Eski Hadımköy Yolu Caddesi 9/1, 34500 Istanbul

Diskussion

50 Jahre 68 Bewegung
Referenten: Peter Schneider & Oya Baydar
Moderation: Kristian Brakel

„Die wichtigste Errungenschaft der 68er-Bewegung in Deutschland bleibt, dass sie massenhaft – und vielleicht für immer – mit der Kultur des Gehorsams gebrochen hat. Ihre größte Sünde war, dass ihre Anführer nach einem freiheitlichen Aufbruch am Ende einer antidemokratischen Doktrin erlagen und gegenüber den Verbrechen ihrer revolutionären Vorbilder in Kuba, Vietnam, Kambodscha, China die Augen schlossen. Man kann der Gesellschaft und uns nur dazu gratulieren, dass wir nie eine reale Chance hatten, die Macht zu ergreifen. Zum Glück haben die neuen Lebensformen, die die Bewegung hervorbrachte, eine unendlich größere Ansteckungskraft bewiesen als die bombastischen Programme ihrer Wortführer.“(Aus: Rebellion und Wahn, S. 278)

Mit dieser These setzen sich zwei Vertreter der 68-Bewegung bei einer Podiumsdiskussion auseinander – Oya Baydar aus Perspektive einer türkischen Autorin, Peter Schneider aus der eines deutschen Schriftstellers. Neben einem Rückblick steht die Frage im Mittelpunkt, was die 68er-Bewegung heute nach 50 Jahren in einer globalisierten Welt bedeutet

 

Oya Baydar (*1940 in Istanbul) besuchte das französische Gymnasium Notre Dame de Sion.  Sie studierte Soziologie an der Universitat Istanbul und in Frankreich. Im Jahr 1958, als sie 18 Jahre alt war,  wurde ihr erster Roman im Feuilleton der Tageszeitung Hurriyet veröffentlicht. 1961 und 1963 folgten die Veröffentlichungen zweier Jugendromane: Gott hat die Kinder vergessen und Zeit der Hoffnung.

Nach dem Abschluss des Studiums als Soziologin an der Universität Istanbul und an der  Hacettepe Universität in Ankara nahm sie 1966 an der sozialistischen Bewegung teil und war in verschiedenen sozialistischen Parteien aktiv. Während der Militarjunta 1971 wurde sie  aus politischen Gründen festgenommen. Nach der Entlassung arbeitete sie als Kolumnistin bei den Tageszeitungen Yeni Ortam (1972-1974) und Politika (1976-1980). Sie war Mitgründerin der Türkischen Sozialistischen Arbeiterpartei. Nach dem Militärputsch emigrierte sie im Jahr 1980 nach Deutschland, wo sie als politische Asylantin in Frankfurt/Main lebte.

Ab dem Jahr 1990, nach dem Sturz der Berliner Mauer, begann sie erneut Kurzgeschichten und Romane zu schreiben.

Im Jahr 1992 kehrte sie in die Türkei/Istanbul zurück,  wo sie heute als Schriftstellerin lebt und arbeitet. Oya Baydars Werke wurden in 32 Sprachen übersetzt.

Ihre literarischen Werke:

Kurzgeschichten:

Elveda Alyosa /Adieu Alyoscha (1991) Sait-Faik Preis

Romane:

Kedi Mektupları / Katzenbriefe (1992, Yunus Nadi Preis)

Hiçbiryere Dönüş / Rückkehr zum Nirgendwo (Carical mediterranien Literatur-preis 2011)

Sıcak Külleri Kaldı / Nur die Asche bleibt heiß (2001, Orhan Kemal Roman Preis, Frankreich –Türkei 2016 Literaturpreis)

Erguvan Kapi / Judenbaum Tor (2004, Cevdet Kudret Literaturpreis) Deutsche Auflage, 2011 Ullstein Verlag)

Kayıp Söz / Werlorenes Wort (2007) (Deutsche Auflage, 2008 Ullstein- Claassen Verlag)

Çöplüğün Generali / DerAbfuhrgenerale (2009) (Roman des Jahres, Dunya Literatur-Preis)

Surönü Diyalogları (2016) und ihr neuer Roman Yolun Sonundaki Ev  (2018)

 

Peter Schneider (*1940, Lübeck) liegen ca. 20 Bücher vor, darunter Romane, Erzählungen und Essays, einige davon übersetzt in 20 Sprachen. Der Mauerspringer (Rowohlt Verlag, 1982) wurde in die Reihe „Penguin Modern Classic“ aufgenommen, das Vorwort schrieb Ian McEwan. Außerdem hat er mehrere Drehbücher verfasst, u. a. zu den Filmen Messer im Kopf (Regie: Reinhard Hauff, 1978) und Das Versprechen, (Regie: Margarethe von Trotta, 1995). Die Erzählung Vati (Kiepenheuer & Witsch, 1987) wurde unter der Regie von Egidio Eronico mit Charlton Heston, Abraham F. Murray und Thomas Kretschmar 2005 verfilmt. Peter Schneiders Reportagen und Essays wurden u. a. veröffentlicht in Der Spiegel, Die Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, New York Times,  Wallstreet Journal, Time Magazin, Harper`s Magazine, Le Monde, Liberation, Dagens Nyheter, und La Repubblica, Zu seinen neuesten Publikationen zählen An der Schönheit kann’s nicht liegen – Berlin, Porträt einer ewig unfertigen Stadt (Kiepenheuer & Witsch, 2015) und Club der Unentwegten (Kiepenheuer & Witsch, 2017).

Peter Schneider war von September bis November 2016 und erneut im August 2018 Stipendiat der Kulturakademie Tarabya.