Open Studios

Datum 16. Mai 2026
Sparte Open Studio
© Mete Kaan Özdilek

Am 16. Mai 2026 öffnete die Kulturakademie Tarabya erstmals ihre Tore für eine Open-Studios-Veranstaltung. Die aktuellen Stipendiat:innen präsentierten dabei die Projekte und Recherchen, an denen sie während ihres bisherigen Aufenthalts in Tarabya gearbeitet haben.

Über den gesamten Nachmittag und frühen Abend hinweg konnten sich die Besucher:innen an verschiedenen Orten auf dem Gelände der historischen Sommerresidenz der deutschen Botschafterin mit den künstlerischen Arbeiten und Forschungsprozessen  der Künstler:innen auseinandersetzen und mit den Stipendiat:innen  ins Gespräch kommen.

Im Atelier stellte Annika Kahrs ihre Recherche zu der Video- und Soundinstallation Pasaj vor. Das in der Kulturakademie angestoßene Projekt wird die Istanbuler Passagen als Orte alternativer Musikkultur von den 1980er- bis in die 2010er-Jahre untersuchen und deren Bedeutung für subkulturelle Gemeinschaften, Musikproduktion und kollektive Identitätsbildung beleuchten

Die Komponistin Anna Korsun, die während ihres Aufenthalts in Istanbul Material für ein neues Werk für Kammerensemble sammelte, präsentierte gemeinsam mit den Musikerinnen des Hezarfen Ensembles Aida Pulake, Gözde Yaşar und Gökçe Bahar Oytun Duyar im Teehaus ihre Komposition sottilissime (2019).

Clarissa Thieme, die im Rahmen eines Aufbau-Stipendiums erneut in Tarabya zu Gast war, zeigte im Matrosenhaus Ausschnitte aus „Save the Amazon – Resumption”. Das Projekt entstand aus einer langjährigen Zusammenarbeit mit dem gleichnamigen Sarajevoer Filmkollektiv und soll im Rahmen ihrer Residenz in Tarabya zu einem transnationalen Netzwerk in die Türkei erweitert werden.

Eva Trobisch, deren neuer Spielfilm Etwas ganz Besonderes (2026) im Wettbewerb der Berlinale Premiere feierte, gab im Gewächshaus Einblicke in ihre Arbeit an der Adaption von Martina Hefters preisgekröntem Roman Hey, guten Morgen, wie geht es dir?. In diesem Kontext stellte sie auch ihre aktuelle Recherche zu Astronomie sowie Performance und zeitgenössischem Tanz vor.

Johannes Vogl präsentierte sein Work-in-Progress-Projekt Tarabya Leuchtturm, das sich mit den urbanen Logistiksystemen Istanbuls auseinandersetzt. Ausgangspunkt der Installation ist ein  traditioneller Verkaufswagen eines Straßenhändlers, aus der ein Leuchtturm-ähnliches Objekt hervorgeht und symbolisch den Containerschiffen auf dem Bosporus den Weg weist. Die Arbeit wird noch bis zum Ende seiner Residenz weiterentwickelt und bleibt in den kommenden Monaten auf dem Gelände der Kulturakademie zu sehen.

Ein besonderer Höhepunkt der Open Studios war die gemeinsame Präsentation der Malerin Sarah Szczesny sowie der Koproduktionsstipendiatinnen Fulya Uçanok und Ulrike Ruf in der Sultansküche. Sarah Szczesny zeigte eine neue Werkserie, die sich auf den Animationsfilm Amentü Gemisi Nasıl Yürüdü (1969) des türkischen Cartoonisten Tonguç Yaşar bezieht und dessen visuelle sowie konzeptuelle Logik in eine malerische und zeitbasierte Praxis übersetzt. Ergänzt wurde die Präsentation durch eine performative Zusammenarbeit mit der elektroakustischen Künstlerin Fulya Uçanok und der Cellistin und Klangkünstlerin Ulrike Ruf. Anschließend gaben die beiden Koproduktionsstipendiat:innen erste Einblicke in ihr gemeinsames Projekt Sonic Portraits, das auf Gesprächen mit Frauen unterschiedlicher Hintergründe basiert und deren Geschichten in Form klanglicher Porträts sichtbar bzw. hörbar macht.

Den Ausklang der Veranstaltung bildete ein gemeinsamer Empfang bei frühlingshaften Temperaturen, der Raum für Austausch und Begegnungen zwischen Künstler:innen, der lokalen Kulturszene und weiteren Gästen bot.

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