Die Kulturakademie Tarabya ist eine Einrichtung der Bundesregierung. Sie wird von der Deutschen Botschaft Ankara betrieben und ist Teil der Kulturarbeit der Deutschen Botschaft in der Türkei. Die kuratorische Verantwortung für die Kulturakademie Tarabya trägt das Goethe-Institut.

Bilder

  • Kulturakademie Tarabya ©Enis Yücel

Idee

Die Kulturakademie Tarabya ist ein Residenzprogramm für Künstlerinnen und Künstler verschiedener Sparten. Ziel ist es, einen Beitrag zum deutsch-türkischen Kulturaustausch zu leisten. Den Stipendiatinnen und Stipendiaten soll der Aufenthalt in Tarabya zur Inspiration und Weiterentwicklung ihrer Arbeit dienen. In sieben Künstlerapartments, einem Begegnungsraum und zwei Ateliers bietet die Kulturakademie den Stipendiatinnen und Stipendiaten optimale Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten.

Die Kulturakademie wurde auf Initiative des Deutschen Bundestages ins Leben gerufen. Das Haus befindet sich auf dem Gelände der Historischen Sommerresidenz des deutschen Botschafters in Tarabya, auf der europäischen Seite Istanbuls, ca. 15 km nördlich des Stadtzentrums. Die Kulturakademie wird von der Deutschen Botschaft Ankara betrieben und ist Teil der Kulturarbeit der Botschaft in der Türkei. Die kuratorische Verantwortung trägt das Goethe-Institut.

Geschichte

Eröffnet wurde die Kulturakademie am 13. Oktober 2011 im Beisein der beiden damals amtierenden Außenminister Guido Westerwelle und Ahmet Davutoğlu. Die Festredner Cornelia Pieper (Staatsministerin im Auswärtigen Amt) und Kemal Fahir Genç (Stv. Staatssekretär im Kulturministerium) gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Kulturakademie beitragen werde zur positiven Entwicklung der kulturellen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland. Es sprachen außerdem der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann sowie die Bundestagsabgeordneten Petra Merkel (SPD) und Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen). Ein vom Goethe-Institut gestaltetes Kulturprogramm sowie die Rede des Literaten und Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Klaus Reichert rundeten den feierlichen Abend ab.

Die Dokumentarfilmerin Martina Priessner und die Theaterautorin Marianna Salzmann waren im September 2012 die ersten Stipendiatinnen der neuen Kulturakademie Tarabya. Seither haben 60 Stipendiatinnen und Stipendiaten in der Kulturakademie Tarabya residiert und gearbeitet.

Historische Sommerresidenz Tarabya

Die historische Sommerresidenz des deutschen Botschafters befindet sich in dem früheren Kurort Tarabya, heute Teil der Metropole Istanbul. Das Grundstück war ein Geschenk des osmanischen Sultans Abdülhamid II (1842-1918). 1880 übergab er es an das Deutsche Reich mit der Maßgabe diplomatischer Nutzung. Daher hat die Liegenschaft bis heute den Status eines Botschaftsgeländes. Die Residenz umfasst ein Areal von rund 18 Hektar. Ein Großteil davon ist ein weitläufiges Wald- und Gartengebiet. Im vorderen Teil befinden sich zehn zumeist im Stil türkischer Sommerhäuser (“Yali”) errichtete Gebäude sowie der deutsche Soldatenfriedhof. Die Kulturakademie nutzt die frühere Botschaftskanzlei; dort befinden sich fünf Künstlerwohnungen. Im früheren Kutscherhaus wurden zwei weitere Künstlerwohnungen und Ateliers geschaffen. Außerdem befindet sich in der früheren Großküche ein Veranstaltungsraum.

Tarabya hieß – laut einer Argonautensage – ursprünglich “Pharmacia” oder “Phamakeia” (altgriechisch für Gift). Niemand wollte in einem Ort mit einem solchen Namen wohnen: „Phamakeia“ wurde daher umbenannt in “Therapia” (Genesung). Bis zum 16. Jahrhundert war Tarabya ein Fischerdorf. Sultan Selim II. (1524-1574) ließ später dort ein Landhaus (Köşk) bauen und einen eindrucksvollen Garten anlegen. Tarabya entwickelte sich zum Erholungsort der gehobenen Istanbuler Gesellschaft, mehrere Botschafter ließen ihre Sommerhäuser dort errichten. 1885 stimmte der Reichstag in Berlin dem Bauvorhaben einer Sommerresidenz in Tarabya zu. Durch den Verkauf des Geländes der ehemaligen preußischen Gesandtschaft in Istanbul waren Geldmittel vorhanden, um den Bau zu beginnen. Die ersten Entwürfe wurden bereits 1882 von einem Architekten namens Cingria angefertigt und von dem in Athen tätigen Wilhelm Dörpfeld überarbeitet. Dieser legte besonderes Augenmerk auf die Einbeziehung osmanischer Bautraditionen: Oktogonale Formen im Botschafterhaus und die von ihm eingeführten Holzsäulen sind kennzeichnende Elemente türkischer Sommerhäuser. Die Bauausführung übernahm Armin Wegner. Der Bau begann 1885 und wurde zwei Jahre später beendet.

Die weitläufige Gartenanlage der Residenz erstreckt sich über einen Großteil des Geländes. Man kann unterschiedliche Gestaltungsphasen erkennen, die sich gegenseitig ergänzen. Der heutige Garten verfügt sowohl über Bestandteile der Anlage aus osmanischer Zeit wie auch über Elemente aus der Gestaltungsphase der 1980er-Jahre. Auf dem Gelände befindet sich zudem ein deutscher Soldatenfriedhof. Er wird vom Verein “Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge” gepflegt und betreut. Die terrassenartige Gestaltung und die Hauptskulptur stammen von Bildhauer Georg Kolbe. Der Friedhof diente zunächst als Ruhestatt für die in der Dardanellenschlacht 1915 gefallenen deutschen Soldaten. Später wurden Gefallene beider Weltkriege aus der gesamten Türkei dorthin umgebettet. Jährlich gedenken am Volkstrauertag dort Offizielle und Vertreter deutscher Organisationen der Toten.

Mit dem Umzug der deutschen Botschaft nach Ankara nach der Gründung der Türkischen Republik 1923 verlor das Gelände seine ursprüngliche Bestimmung. Es erhielt die Bezeichnung “Historische Sommerresidenz” und wird heute sowohl von der Botschaft Ankara als auch vom Generalkonsulat Istanbul als Ort des deutsch-türkischen Dialogs genutzt: Im Botschafterhaus finden Tagungen, Veranstaltungen und Empfänge statt, die benachbarte ehemalige Botschaftskanzlei beherbergt die Stipendiaten der Kulturakademie. Im früheren Botschaftsratshaus befindet sich die Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer.