Pera Film – Tracing the Memory

Sparte

Film/Video

Datum

10. Mai 2019, 19:00

Ort

Pera Müzesi
Asmalı Mescit Mah., Meşrutiyet Cd. No:65
34430 Beyoğlu/İstanbul

Weitere Termine

10.05.2019, 19:00 Uhr

Im Anschluss um 20.15 Uhr Artist Talk mit Bilge Taş und Aykan Safoğlu

Pera Films präsentiert vom 25. April bis 30. Mai die Reihe Tracing the Memory. Das neun Filme umfassende Programm versammelt die Geschichten von verschiedenen Charakteren, die den Geistern der Vergangenheit, dem kollektiven Gedächtnis und den hinter Erinnerungen versteckten Realitäten nachspüren. Im Rahmen dieser Reihe zeigt Pera Films Arbeiten von Aykan Safoğlu, Stipendiat der Kulturakademie Tarabya.

Ausgewählte Arbeiten von Aykan Safoğlu:
Freitag, 10. Mai, 19:00 Uhr
Bei einem Artist Talk mit Bilge Taş wird der Künstler Aykan Safoğlu am 10. Mai um 20.15 Uhr Einblicke in seine Arbeit geben.

Ohne Titel (Gülşen und Hüseyin), 2015
Dauer: 13′, Farbe
Sprache: Türkisch mit englischen Untertiteln

Aykan Safoğlu versucht in diesem Video seinen lange verstorbenen Onkel Hüseyin mit fotografischen Reproduktionstechniken wieder zum Leben zu erwecken. Gülşen Aktaş, Safoğlus langjährige Freundin aus Berlin, nimmt im Rahmen einer Drag-Performance die Rolle des Onkels an, um die Wahrheit hinter dem Tod Hüseyins zu enthüllen. So entfaltet sich langsam die vergessene Geschichte einer verlorenen Istanbuler Erinnerung an Gastarbeiter aus dem Ausland. Obwohl Safoğlu sich mit Erinnerung und Vergessen beschäftigt, zwei wesentlichen Faktoren für die Geburt und den Tod des „Autors“, erschafft er Geschichten bzw. die Geschichte neu, um sich zu erinnern und zu versöhnen. Zusammen mit Gülşen und Hüseyin gibt sich Safoğlu nicht bloß damit zufrieden, die Geschichte zurück zu erobern, sondern schreibt sie neu.

Meine Nachtigall der Trauer, 2014
Dauer: 12′, Farbe
Sprache: Englisch mit türkischen Untertitel

Meine Nachtigall der Trauer basiert auf der Intervention Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst – Aktion in 14 bestimmten Sequenzen des Performancekünstlers Ulay aus dem Jahre 1976. Für diese umstrittene Aktion stahl Ulay das Originalgemälde Der arme Poet von Carl Spitzweg aus dem Jahre 1839, das in der Neuen Nationalgalerie Berlin hing, um es in der Wohnung einer türkischen Migrantenfamilie in der Muskauerstraße in Berlin aufzuhängen. Für Meine Nachtigall der Trauer statteten am 1. November 2014 einige „Bewohner der Muskauerstraße“ der Neuen Nationalgalerie einen Gegenbesuch ab und sangen den türkischen Klassiker Meine Nachtigall der Trauer im Chor, um an Spitzwegs Gemälde zu erinnern. 38 Jahre nach Ulays Intervention forderte der Chor sein kulturelles Erbe in der deutschen Nachwanderungsgesellschaft zurück und lud das Publikum dazu ein, Unsicherheit, Leiden, Kitsch, Poesie und Gemeinschaft auf lebensfrohe Weise neu zu denken. Die Performance-Choreographie wurde im Auftrag des Festival of Future Nows vom Institut für Raumexperimente der UdK Berlin entwickelt.

Ohne Titel (Ein Berlin-Portrait), 2013
Dauer: 13′, Farbe
Sprache: Deutsch mit türkischen Untertiteln

Als Judith Butler, eine bekannte zeitgenössische Gender-Theoretikerin, 2010 den Berlin Pride Award ablehnte, intensivierte ihre öffentliche Stellungnahme die andauernde Diskussion um die politischen Konflikte der schwul-lesbischen Szene in Deutschland. Safoğlus Videoarbeit verbindet Bildmaterial, Zeitungsausschnitte über die Kontroverse mit kulturhistorischen Fakten und zeichnet damit die vielen Motive wie kapitalistischer Konformismus, Rassismus, Sexualpolitik und „Homonationalismus“ nach, die in dieser Debatte zentral sind. Die Arbeit ist ein Auftragswerk des Maxim Gorki Theaters in Berlin.

Gebrochen-weiße Tulpen, 2013
Dauer: 24′, Farbe
Sprache: Türkisch mit englischen Untertiteln

Gebrochen-weiße Tulpen, Gewinner des Großen Preises der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, ist ein Video-Essay, das als fiktiver Dialog mit James Baldwin (einem sozial einflussreichen amerikanischen Schriftsteller) konzipiert wurde und die Grenzen des autobiografischen Genres innovativ erweitert. Sedat Pakays Fotografien, Postkarten und Zeitungsausschnitte dokumentieren die Aufenthalte des Schriftstellers Baldwin in Istanbul in einer fantasievollen Assoziationskette als Collage, die türkische und amerikanische Symbole der Popkultur zusammen bringt. Das Ergebnis ist sowohl eine subtile Kritik am Rassismus, dem transnationalen Diskurs und der LGBT-Politik als auch ein bestechender Beweis dafür, wie Menschen nur durch die Ideen, die sie vermitteln, unsere persönliche Geschichte beeinflussen können.